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Ost-Deutschland: Unveränderte Wahrnehmung 2. Klasse
2010-03-12
Halle, 12.3.2010: Die Wahrnehmung der Neuen Bundesländer in den deutschen Meinungsführer-Medien

Halle, 12. März 2010. Institutionen wie Universitäten, Parlamente oder Unternehmen aus den Neuen Bundesländern erhalten auch 20 Jahre nach dem Fall der Mauer nur im Ausnahmefall Aufmerksamkeit in den deutschen Meinungsführer-Medien. Allein 4,3% aller Beiträge beschäftigen sich mit Ereignissen in der ehemaligen DDR. Nur drei Universitäten aus dem Osten schaffen es unter die Top-20 in den TV-Nachrichten. Unternehmen aus den Neuen Bundesländern werden nur zu 1,5% in den überregionalen Meinungsführer-Medien erwähnt.

„Die Mauer in den Köpfen ist auch nach 20 Jahren noch zu beobachten – insbesondere in den News-Rooms der überwiegend im Westen sozialisierten Redaktionen in den untersuchten 24 deutschen Print-, TV- und Hörfunkredaktionen“, so Roland Schatz, geschäftsführender Chefredakteur vom Medienforschungsinstitut Media Tenor. Obwohl die Universitäten im Osten bei den Exzellenz-Prozessen keine schlechten Resultate erzielt haben, rufen Journalisten von ARD und ZDF bevorzugt Professoren aus Duisburg, Frankfurt oder Stuttgart an, als auf Forschung aus Halle, Leipzig oder Dresden zu verweisen.

Die Wirtschaftsberichterstattung leidet unter einer Krisen-Auswahl, anstatt den News aus aufstrebenden Branchen redaktionellen Raum einzuräumen: Bei aller Bedeutung der Werft-Industrie verwundert das Ergebnis, daß Unternehmen der Chemie-Branche noch nicht einmal unter die Top-20 kommen. „Das strukturelle Problem der Wahrnehmung 2.Klasse läßt sich allein durch ein verändertes Informationsverhalten der Leistungsträger im Osten überwinden“, so Roland Schatz bei seinem Vortrag in Halle.

MEDIA TENOR untersucht die tonangebenden deutschen Hörfunk-,Print- und TV Medien seit 1994 kontinuierlich mit Blick auf die Darstellung von Politikern, Parteien, Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften, NGOs und die Lage Deutschlands. Für den Vortrag der Konferenz „20 Jahre Deutsche Einheit – Von der Transformation zur europäischen Integration“ an der Martin-Luther-Universität in Halle wurden alle 299.090 Aussagen über Politiker, Parteien und Regierungen in 23 TV-, Print- und Hörfunkmedien sowie alle 65.608 Berichte über Unternehmen, Branchen und Manager in 24 deutschen TV-, Hörfunk- und Printmedien ausgewertet.

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