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Fünf Jahre danach: Der Papst ohne Rückhalt
2010-04-14
Zürich, 14.4.2010: Das Medienbild des Papstes 2005-2010

Zürich, 14. April 2010. Die Katholische Kirche sieht eine Kampagne gegen den Papst. Aber die kontinuierliche Beobachtung der tonangebenden deutschen Medien zeigt, daß Benedikt XVI. seit Jahren an Zustimmung verliert. Während die Wahl des ersten Deutschen auf den Stuhl Petri nach 500 Jahren von den deutschen Medien geradezu euphorisch begrüßt wurde, sank der Anteil positiver Berichte bis zum Jahr 2009 auf unter 20%. Dies zeigt eine aktuelle Analyse des Zürcher Forschungsinstituts Media Tenor International.

„Der Papst hält sich mit eigenen Aussagen zum Mißbrauchsskandal zurück – er folgt damit dem defensiven Kommunikationsstil, den die Kirche im Umgang mit Kritik seit Jahrhunderten pflegt“, erklärte Roland Schatz, Gründer und Präsident von Media Tenor. „Aber dies nützt ihm wenig, denn die Kritiker kommen dafür um so wirkungsvoller zu Wort.“ In den ersten drei Monaten des Jahres brachten die tonangebenden TV- und Printmedien nicht einen Beitrag über den Papst, in denen Benedikt XVI. klar positiv bewertet wurde.

Die Medienanalyse zeigt, daß die Mißbrauchsfälle und die kommunikative Abwehrhaltung der Kirche das Vertrauen der Bevölkerung erschüttert haben. Anfang April erklärten nur noch 17% der Deutschen, der Katholischen Kirche, und 24%, dem Papst zu vertrauen (Forsa-Umfrage für Stern, http://www.presseportal.de/ pm/6329/ 1583539/gruner_jahr_stern). Selbst den krisengeschüttelten Bankern brachten die Befragten mehr Vertrauen entgegen. „Wenn nun Kardinal Sodano versucht, kritische Berichte als ‚Geschwätz‘ abzutun, so wird dies die bestehenden Vorurteile nur verstärken“, erläuterte Dr. Christian Kolmer, Leiter der Gesellschaftsredaktion bei Media Tenor International. „Die Kirche hat noch nicht akzeptiert, daß auch für sie die Regeln der Mediengesellschaft gelten: Nur durch einen offenen Kommunikationsstil und einen offensiven Umgang mit den Vorwürfen kann verlorenes Vertrauen zurückgewonnen werden.“ Solange die Kirche nur ihre Kritiker angreift und nicht vermittelt, was sie zur Aufklärung der Vorwürfe, Bestrafung der Schuldigen und Entschädigung der Opfer tut, so lange wird die Kritik weiter zunehmen.

In den fünf Jahren seit seinem Amtsantritt hat der Papst eine große Chance verspielt, christlichen Werten und dem Leben der Kirche einen größeren Raum in der Medienwelt zu verschaffen. Roland Schatz: „Kommunikationsfehler – von der Regensburger Rede über die Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Williamson bis zum Schweigen zum Mißbrauchsskandal – haben den Medienbonus des Papstes aufgezehrt.“

Für diese Analyse wurden insgesamt 266.303 Nachrichtenbeiträge zwischen dem 19. April 2005 und dem 10. April 2010 ausgewertet. Davon befaßten sich 1.587 überwiegend mit dem Papst. Die Beiträge wurden von geschulten Codierern ausgewertet. Die durchschnittliche Inter-Codierer-Reliabilität betrug im IV. Quartal 2009 87%.

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