Zürich, 22. April 2010. Zwei Wochen vor den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen sehen die Meinungsumfragen die Liberalen wieder bei 8%, nachdem die Medienkritik an der FDP seit Anfang April wieder zurückgegangen ist. Seit der Woche vom 24. März steht die FDP weniger in der Kritik der Medien, aber das Gesamtbild blieb negativ; dies zeigt die aktuelle Wahlanalyse des Zürcher Forschungsinstituts Media Tenor.
In den Monaten nach ihrem Erfolg bei der Bundestagswahl hatte sich das Medienbild der FDP aufgrund der geballten Kritik von Opposition, Koalitionspartner und Journalisten rasant verschlechtert. Unter dem Eindruck dieser Berichterstattung sank die Zustimmung bei den potentiellen Wählern in NRW sogar auf nur noch 6% - der Wiedereinzug in den Landtag stand Mitte April sogar plötzlich in Frage.
„Nachdem sich der Koalitionsstreit um die Gesundheitspolitik etwas beruhigt hat, ist der Abwärtstrend in den Medien vorerst gestoppt“, erläuterte Roland Schatz, Gründer und Präsident von Media Tenor International. Mit einer Verzögerung von zwei Wochen wirkt sich die Berichterstattung auf die Wahlabsichten der Bevölkerung aus, denn nicht allein die Tendenz der Medienberichte, sondern auch die Zahl der Botschaften spielt für die Medienwirkung eine wichtige Rolle.
„Dennoch sieht sich die FDP inzwischen wieder auf ihre Kernwählerschaft zurückgeworfen“, erklärte Dr. Christian Kolmer, Leiter der Politikredaktion bei Media Tenor International. Neue Angriffe können deshalb die FDP weiter schwächen. Die Wahlabsichten der Rheinländer und Westfalen werden vor allem durch den nationalen Medientrend beeinflußt, aber die NRW-FDP konnte auch nicht mit eigenen positiven Botschaften durchdringen: In den Fernsehnachrichten und den überregionalen Meinungsführer-Medien wurde die Landespartei im März sogar noch deutlich schlechter als die Bundespartei bewertet.
„Im der Endphase des Wahlkampfes wird es für die FDP darauf ankommen, mit realistischen und glaubwürdigen Politikangeboten verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen“, so Roland Schatz. „Streit mit dem Koalitionspartner schadet der FDP mehr als der CDU, denn potentielle Wähler, die nicht zur klassischen Klientel der Liberalen zählen, werden abgeschreckt.“ Mit Blick auf das aktuelle Medienbild ergeben sich nur geringe Chancen auf einen weiteren Stimmenzuwachs für die FDP.
Für diese Analyse wurden insgesamt 73.111 Aussagen von/über Politiker und Parteien zwischen dem 3. Januar und dem 19. April 2010 ausgewertet. Davon befaßten sich 10.048 überwiegend mit der FDP und Politiker, die für die FDP sprachen.
Die Beiträge wurden von geschulten Codierern ausgewertet. Die durchschnittliche Inter-Codierer-Reliabilität betrug im IV. Quartal 2009 87%.
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