Zürich, 30. April 2010. Im Endspurt vor der Landtagswahl liegen Schwarz-Gelb und Rot-Grün Kopf an Kopf. Die Hoffnung von Hannelore Kraft, daß die Schwäche der FDP im Bund einen Regierungswechsel in Nordrhein-Westfalen ermöglichen könnte, verflüchtigen sich. Die aktuelle Auswertung des Forschungsinstituts Media Tenor zeigt, daß die Kritik an der FDP in den tonangebenden Medien Ende April weiter zurückgeht.
Das Fernsehduell zwischen Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und seiner Herausforderin Hannelore Kraft ist nach Ansicht der Medien unentschieden ausgegangen. „Obwohl das Medienbild der NRW-SPD positiver ausfiel als das der CDU, ändert dies nichts an den Wahlabsichten, denn das Duell brachte keine neuen Einsichten für die Wähler“, erklärt Dr. Christian Kolmer, Leiter Politikanalysen bei Media Tenor. Im Medienbild der CDU wirken weiterhin die Diskussion um die Sponsoring-Praktiken, die Ablösung von Generalsekretär Hendrik Wüst und die schlechteren Umfragewerte aus. „Letztendlich gibt dies aber nicht den Ausschlag für die Wahlentscheidung, denn der Bundestrend überschattet die Ausstrahlung der Landesparteien“, erläutert Dr. Kolmer.
Vom Rückenwind aus der Bundespolitik profitiert vor allem die FDP: Das Abflauen der Konflikte mit dem Koalitionspartner einerseits und die positiven Botschaften vom Parteitag in Bonn andererseits haben die Kritik an den Liberalen zurückgedrängt. „Mit Philipp Rösler und Christian Linder konnte die FDP neue unverbrauchte Gesichter präsentieren und damit ihren angeschlagenen Vorsitzenden, Außenminister Guido Westerwelle, entlasten“, so Dr. Kolmer.
In Nordrhein-Westfalen zeichnet sich damit ein Patt ab – um so wirkungsvoller werden damit die verschärften Angriffe der CDU gegen die Linkspartei. Die Linke ist einerseits kaum präsent – schon gar nicht mit ihren eigenen Positionen – während ihre Bewertung sich gleichzeitig verschlechtert, vor allem, wenn es um NRW geht. „Die Linke findet keine Unterstützung, denn auch die SPD setzt sich verbal von der Linken ab, die ‚zur Zeit weder regierungs- noch koalitionsfähig‘ sei“, erläutert Dr. Kolmer. Auf der anderen Seite ist die Ablehnung der Linken durch Hannelore Kraft noch nicht eindeutig genug, um der CDU nicht Angriffsflächen zu bieten.
Da sowohl die CDU als auch die FDP ihre Krise überwunden haben, spricht zur Zeit nichts für einen Regierungswechsel am 9. Mai.
Media Tenor untersucht die tonangebenden deutschen TV- und Printmedien seit 1994. Für diese Analyse wurden insgesamt 7.760 Aussagen von/über Politiker und Parteien zwischen dem 1. und 27. April 2010 ausgewertet. Davon befaßten sich 1.149 überwiegend mit den Parteien in Nordrhein-Westfalen.
Die Beiträge wurden von geschulten Codierern ausgewertet. Die durchschnittliche Inter-Codierer-Reliabilität betrug im IV. Quartal 2009 87%.
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