Zürich, 11. Mai 2010. Vor dem morgen beginnenden 2. Ökumenischen Kirchentag in München ist das Medienbild der beiden großen Kirchen in Deutschland in den wichtigen abendlichen TV-Nachrichten von ARD und ZDF so negativ wie nie zuvor. Ereignisse wie der Mißbrauchsskandal, der Eklat um die Piusbruderschaft oder die Islamkritik von Papst Benedikt haben die euphorische Stimmung innerhalb der katholische Kirche nach der Papstwahl 2005 abgewürgt. Der evangelischen Kirche hat zwar auch der Fehltritt ihrer ehemaligen Ratsvorsitzenden Käßmann geschadet, noch mehr leidet sie aber unter einem enormen Wahrnehmungsverlust.
Nach dem 1. Ökumenischen Kirchentag in Berlin 2003 ist die Aufmerksamkeit für die evangelische Kirche in den TV-Nachrichten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sukzessive zurückgegangen. Das Verhältnis der Berichterstattung von Tagesschau und heute, Tagesthemen und heute journal über die katholische und evangelische Kirche steht immer weniger in Zusammenhang mit der Mitgliederstruktur in der Bevölkerung, die in etwa gleich ist bei rund 30 Prozent. Die katholische Kirche wurde in den vergangenen Jahren aber mit doppelt so viel, zuletzt sogar mit dreimal so viel Aufmerksamkeit bedacht. Auch über die anderen Religionsgemeinschaften – allen voran den Islam – wurde in den vergangenen fünf Jahren intensiver berichtet als über die evangelische Kirche.
Dem erheblichen Wahrnehmungsverlust der evangelischen Kirche auf der einen Seite steht ein größeres Interesse an politischen Sachthemen auf der anderen Seite gegenüber. „Die aktuelle Analyse zeigt einmal mehr, daß Skandale und Fehltritte ein größeres Potential haben, die Kameras der TV-Nachrichten auf sich zu lenken als Sachthemen“, erklärt Roland Schatz, Gründer und Präsident von Media Tenor International. Aspekte wie der Afghanistan-Einsatz, die Hartz IV-Debatte oder die aktuelle Wirtschaftskrise spielen im Medienbild der evangelischen Kirche eine deutlich größere Rolle als bei der katholischen Kirche, die größtenteils auf Debatten um ihre Organisationsstruktur oder ihr Personal reduziert wird.
„Dabei kann es den Kirchen vor allem über die Sachthemen gelingen, verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen“, erläutert Roland Schatz weiter: „Die detaillierte Medienanalyse zeigt, daß in erster Linie solche Themen mit Kritik der Medien behaftet waren, die die Organisationsstruktur der Kirchen anbelangt. Wenn es um die Positionen der Kirchen zu gesellschaftlichen und politischen Sachfragen ging, überwiegt die neutrale oder sogar positive Darstellung. Hier liegt vor allem für die katholische Kirche die Chance, aus dem tiefen Tal herauszufinden.“
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