Zürich, 14. Mai 2010. Schon im Vorfeld der NRW-Wahlen ist deutlich geworden, daß die Wahlberechtigten ihrer Pflicht ohne jede Begeisterung nachkommen würden. Denn selten ist ein Amtsinhaber schon lange bevor es um die Verlängerung seines Mandates ging in den Medien derart ohne Glaubwürdigkeit vermittelt worden wie Jürgen Rüttgers. Die Kern-Themen seiner Partei waren in der Berichterstattung über den Ministerpräsidenten kaum sichtbar. Dies zeigt die kontinuierliche Analyse des Zürcher Forschungsinstituts Media Tenor. Aufmerksamkeit erhielt Jürgen Rüttgers nur dann, wenn er eine klare Anti-Position zur CDU bezog. Das motiviert keine Partei-Mitglieder – geschweige denn ein wohlwollendes Umfeld.
Dasselbe gilt für die Liberalen, die in der Schlußphase der Legislatur-Periode ebenfalls kaum mit dem politischen Programm sichtbar waren, für dessen Umsetzung sie 2005 den Regierungsauftrag erhalten hatten. „Die Schlußfolgerung, die FDP sei in erster Linie Opfer des schwachen Starts der Bundesregierung in Berlin, deckt sich nicht mit den Langzeitdaten der Berichterstattung über die Regierung Rüttgers-Pinkwart“, erklärte Roland Schatz, Gründer und Präsident von Media Tenor International. Arbeitsplatz-Verluste dominierten die Schlagzeilen, weil die Düsseldorfer Landesregierung den Eindruck vermittelte, Großkonzerne wie Nokia oder Opel seien für sie wichtiger als der Mittelstand, der Jahr für Jahr neue Arbeitsplätze schafft. Eine CDU-Justiz-Ministerin, die Monat für Monat mit Skandalen aus Gefängnissen die Schlagzeilen bestimmte, die kontinuierlich seltsame Verquickungen von Staatsanwaltschaft und Gerichten zu kommentieren hatte und die durch die Berichterstattung über das Buch „Das Kartell der Plattmacher“ der CDU-Klientel deutlich machte, daß in NRW einer bürgerlichen Regierung die jährliche Vernichtung von 100.000 Arbeitsplätzen keinen Grund zu einem Politikwechsel bietet, trägt einen großen Anteil daran, daß bei der NRW-Wahl die Partei der NICHT-WÄHLER erneut weiter gewachsen ist.
„Daß insbesondere die TV-Sender am Wahlabend diesen massiven Anstieg nicht in das Zentrum ihrer Berichterstattung gestellt haben, sondern glaubten, zur Tagesordnung übergehen zu können, in dem sie eine SPD zur Siegerin erklärte, die schon 2005 die Verluste eingefahren hatte, die nun die CDU zu beklagen hatte und die 2010 nun noch weiter an Boden beim Wähler verloren hat, wird zur weiteren Abwendung der Menschen von ihrer Wahlpflicht führen“, so Roland Schatz. Die Abstimmung mit den Füßen trägt das ihre dazu bei: Noch nie haben so viele Deutsche endgültig ihrer Heimat den Rücken zugewendet wie 2009. Die Zahlen für 2010 werden diese noch übertreffen, wenn nicht das Publikum – nicht nur am Wahlabend – wieder Analysen erhält, die sich an Daten orientieren.
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