Zürich, 17. Mai 2010. Wenn die deutsche Islamkonferenz am 17. Mai erstmals unter dem Vorsitz des neuen Innenministers Thomas de Maizière zusammenkommt, dann steht der Dialog mit dem Islam in Deutschland unter einem schlechten Stern. Denn das Medienbild des Islam hat sich in den vergangenen Jahren nicht verbessert – und zwar auch dann, wenn es nicht um das islamistische Regime im Iran, Kämpfe mit den Taliban in Afghanistan oder Selbstmordattentäter im Irak geht. Dies zeigen die aktuellen Ergebnisse einer Langzeitanalyse des Zürcher Forschungsinstituts Media Tenor International.
"Die Darstellung des Islam wird zwar von den großen internationalen Konflikten geprägt", erklärt Roland Schatz, Gründer und Präsident von Media Tenor, "aber auch die Berichte aus Deutschland zeigen den Islam vor allem als Sicherheitsrisiko." Die Entdeckung der sogenannten "Sauerland-Zelle" und der Prozeß vor dem OLG in Düsseldorf, Enthüllungen über "deutsche Taliban" oder Ermittlungen gegen islamistische Gruppen – dies hält vor dem Hintergrund von 9/11 die Furcht vor den Moslems wach.
Wenn es um die Integration der Moslems in Deutschland ging, meldete das Fernsehen auch Positives, aber diesen Berichten fehlten oft die Belege aus der Praxis. "Moslems sind viel zu selten als Ärzte, Firmengründer, Künstler, Politiker oder religiöse Leitbilder in den Medien, um die Furcht vor dem Unbekannten zu überwinden", erläutert Dr. Christian Kolmer, Leiter des Gesellschaftsressorts bei Media Tenor.
"Das Beispiel der Anti-Minarett-Initiative in der Schweiz zeigt, wohin die Kommunikationsverweigerung von Politik, Kirche und Moslem-Organisationen führt", erklärt Schatz weiter. Wo Informationen fehlen, können Opportunisten und Islam-Gegner auf dem Boden bereits bestehender Ängste die Feindseligkeit gegenüber dem Islam für ihre Zwecke ausnutzen. Roland Schatz: "Ob die Islam-Konferenz mit ihrem abstrakten Diskussionsstil und dem Fokus auf die Spitzenorganisationen und ihre Funktionäre einen Bewußtseinswandel fördern kann, muß man leider bezweifeln."
Im internationalen Vergleich hat sich das Bild des Islam auch im Jahr 2009 nicht verbessert – trotz der stark beachteten Rede Präsident Obamas in Kairo Anfang Juni. Ein Jahr nach diesem Ereignis werden Medienvertreter und religiöse Führer vom 16.-18. Juni 2010 in der Bibliotheca Alexandrina unter der Ägide der C 1 Foundation eine gemeinsame Erklärung zur Überwindung der von Stereotypen getriebenen Nachrichtengebung verabschieden.
Für diese Analyse wurden insgesamt 311.575 Aussagen über Religionen in 19 Medien, davon 12.086 Aussagen über den Islam in 3 deutschen TV-Nachrichtenformaten im Zeitraum von April 2007 bis März 2010 ausgewertet. Die Beiträge wurden von geschulten Codierern ausgewertet. Die durchschnittliche Inter-Codierer-Reliabilität betrug im IV. Quartal 2009 87%.
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