Zürich, 25. Juni 2010. Joachim Gaucks präsidialer Auftritt im Deutschen Theater in Berlin untermauert seine Ambitionen auf das erste Amt im Staat, aber dennoch rechnen die Deutschen nicht damit, daß der Kandidat von SPD und Grünen tatsächlich gewählt wird. Eine Woche vor der Wahl liegt Christian Wulff im Blick auf die Bewertung in den Medien erstmals vor seinem Gegenkandidaten, während Luc Jochimsens DDR-Apologetik auf deutliche Kritik stößt. Dies zeigt die aktuelle Analyse des Forschungsinstituts Media Tenor International.
Mit ihren Wahlkampfaktivitäten erzielten Wulff und Gauck in dieser Woche erstmals wieder ein breiteres Medienimage. "Die Spekulationen darüber, wer Abweichler von der Gegenseite für seine Kandidatur gewinnen kann, spielen weiter eine wichtige Rolle", erklärte Roland Schatz, Gründer und Präsident von Media Tenor International. "Aber die Welle der Gauck-Euphorie läuft langsam aus." Trotz zahlreicher Meldungen über Sympathien für Gauck in den Reihen der FDP, glaubt die Mehrzahl der Deutschen, daß die Koalitionsparteien ihren Kandidaten durchbringen werden.
Joachim Gauck war in dieser Woche wieder deutlich stärker präsent als Christian Wulff, vor allem wegen seiner Rede in Berlin, aber auch durch seinen Autounfall. "Gauck wurde so deutlich weniger positiv dargestellt als in den Vorwochen, denn seine Unterstützung in breiten Kreisen von Politik und Gesellschaft wurde seltener thematisiert", erläuterte Dr. Christian Kolmer, Leiter der Politikanalysen bei Media Tenor International. "Auf der anderen Seite hellte sich das Medienbild von Christian Wulff weiter auf, denn seine Aktivitäten stießen auf stärkere Zustimmung – nachteilige Berichte gab es zuletzt keine."
Kritik an Luc Jochimsens hartnäckiger Verteidigung der DDR als "Rechtsstaat" hält an. Dies blieb auch das einzige wesentliche Thema im Medienbild der Kandidatin der Linkspartei. "Größere Empörung ist allerdings ausgeblieben; entweder bestehen bei den Fernsehjournalisten Hemmungen, eine frühere Kollegin ernsthaft zu bedrängen, oder vielleicht sogar latente Sympathien für die Positionen der früheren Chefredakteurin des HR", so Dr. Kolmer.
Von den verbesserten Aussichten für ihren Kandidaten Christian Wulff profitiert auch die Bundeskanzlerin. In dieser Woche ist die Kritik deutlich zurückgegangen. Im Vorfeld des G20-Gipfels wurde Angela Merkel ausgeglichen bewertet.
Für diese Analyse wurden insgesamt 19.501 Aussagen von/über Politiker und Parteien zwischen dem 31. Mai und dem 23. Juni 2010 ausgewertet.Die Beiträge wurden von geschulten Codierern ausgewertet. Die durchschnittliche Inter-Codierer-Reliabilität betrug im 1. Quartal 2010 85,7%.
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